Notfallversorgung im ländlichen Raum: Reform nutzen, Regionen stärken

06.06.2019

Der Katholische Krankenhausverband Deutschlands (kkvd) fordert Klarheit über die Pläne zur Zukunft der ambulanten Notfallversorgung. Ein von Gesundheitsminister Spahn lange angekündigter Referentenentwurf wird immer noch mit Spannung erwartet. Aus Sicht des kkvd sind dabei unbedingt die Unterschiede zwischen ländlichen Räumen und Ballungsgebieten zu berücksichtigen. Gut funktionierende Versorgungsnetze vor Ort müssen gestärkt werden. Den Regionen dürfen keine starren Notfallstrukturen übergestülpt werden, die am grünen Tisch in Berlin erdacht wurden.

 

Bernadette Rümmelin, Geschäftsführerin des kkvd: „In vielen Regionen gibt es schon heute gut funktionierende Netzwerke zur Notfallversorgung. Hier werden die Patientenströme wohnortnah erfolgreich gelenkt. So kooperiert ein Drittel der katholischen Krankenhäuser bereits erfolgreich mit ambulanten Bereitschaftspraxen oder in ähnlichen Modellen. Wird aber die stationäre Stufen-Regel des G-BA zur Blaupause für die Standortauswahl der Integrierten Notfallzentren, fällt damit ein großer Teil der Krankenhäuser zur Grund- und Regelversorgung heraus. Die Menschen auf dem Land werden hier deutlich längere Wege zur nächsten Notfallambulanz eines Krankenhauses auf sich nehmen müssen. Dabei sind gerade ältere Patienten in ihrer Mobilität stark eingeschränkt. Und durch längere Wege geht im Notfall wichtige Zeit verloren. Die Notfallversorgung muss erreichbar bleiben.“

 

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat für den Krankenhausbereich drei Notfallstufen zur Finanzierung der Versorgung eingeführt. Der Sachverständigenrat (SVR) Gesundheit schlägt zudem eine Konzentration der ambulanten Notfallversorgung nur noch an den Standorten größerer Krankenhäuser vor. Dort sollen „Integrierte Notfallzentren“ (INZ) eingerichtet werden. Laut einer forsa-Umfrage befürchten 44 Prozent der Menschen ab 45 Jahren dadurch eine schlechtere Versorgung.

 

Bernadette Rümmelin weiter: „Krankenhäuser, Ärzte und Rettungsdienste vor Ort wollen Klarheit, wohin die Reform führen soll. Notwendig ist ein gesetzlicher Rahmen, der Netzwerke und Kooperationen in den Regionen stärkt und die Patientenversorgung wohnortnah sicherstellt. Zukunft hat nur eine Versorgungsstruktur, die sektorenübergreifend ist und auf Kooperation setzt. Zudem muss eine auskömmliche Finanzierung der ambulanten Notfallversorgung geregelt werden, die alle Leistungserbringer adäquat berücksichtigt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sollte die anstehende Reform nutzen, um die Regionen zu stärken. Wichtig ist dabei, die Planungsverantwortung der Länder zu erhalten und regionale Versorgungskonzepte zu fördern. Es ist nicht zielführend, den Regionen starre Notfallstruktur überzustülpen, die am grünen Tisch in Berlin erdacht wurden. Dadurch droht Unterversorgung auf dem Land.“

 

Gemeinsam mit dem Deutschen Landkreistag und dem Deutschen Caritasverband hatte der kkvd heute zu einem parlamentarischen Frühstück in Berlin eingeladen. Hier gaben Vertreter von Krankenhäusern und Rettungsdiensten Einblicke in ihre Praxis.

 

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Katholischer Krankenhausverband Deutschlands e.V. (kkvd)