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kkvd und Pflegerat fordern neues Bemessungsinstrument für Pflegepersonal

13.11.2019

Mit Pflegepersonaluntergrenzen konnten die erhofften Verbesserungen für die Pflege in Krankenhäusern nicht erreicht werden, so der Deutsche Pflegerat (DPR) und der Katholische Krankenhausverband Deutschlands (kkvd). Daher fordern beide Verbände ein neues Bemessungsinstrument für das Pflegepersonal, das den Pflegebedarf der Patienten ins Zentrum rückt und den Pflegeteams Gestaltungsfreiheit gibt.

 

Ingo Morell, stellvertretender Vorsitzender des kkvd: „Wir müssen bei der Personalplanung in der Pflege einen neuen Weg einschlagen. Die Pflegepersonaluntergrenzen haben statt der erhofften Verbesserungen vor allem mehr Bürokratie und Organisationsaufwand gebracht. Gleichzeitig sperren mehr als ein Drittel der Kliniken Intensivbetten, um die Vorgaben zu erfüllen. Auch werden vorübergehend einzelne Bereiche von der Notfallversorgung abgemeldet. Der Pflegebedarf der Patienten lässt sich nicht an Stationsschildern ablesen. Daher brauchen wir eine Pflegepersonalbemessung, die das ganze Haus in den Blick nimmt und moderne Pflegeprozesse berücksichtigt. Solch ein neues Instrument wird gerade von der Deutschen Krankenhausgesellschaft, dem DPR und Verdi aus der Praxis heraus entwickelt und befindet sich bereits in der Testphase.“

 

Die bisherigen Pflegepersonaluntergrenzen gelten für sogenannte „pflegesensitive“ Bereiche der Krankenhäuser. Dies sind die Kardiologie, die Geriatrie, die Unfallchirurgie und die Intensivmedizin. Ab 2020 kommen die Herzchirurgie, die Neurologie, Stroke-Units sowie die Neurologische Frührehabilitation hinzu.

 

Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerates: „Die Pflegepersonaluntergrenzen führen, so wie sie jetzt eingeführt wurden, für die Pflegenden zu Mehrarbeit, kurzfristigen Dienstplanänderungen und Rückrufen aus dem Frei. Sie sind zudem willkürlich gewählt, es fehlt ihnen die Ausrichtung an einer Personalbedarfsbemessung. So lässt sich die Pflege nicht stärken und der Pflegeberuf gewinnt nicht an Attraktivität. Moderne Pflege muss den individuellen Pflegebedarf der Patienten ins Zentrum stellen und gestalten können. Daher ist wichtig, den Pflegeteams mit einem neuen Personalbemessungsinstrument Gestaltungsfreiheit bei der Pflegeplanung und der Dienstplanerstellung zu geben. Durch die generalistische Ausbildung, Akademisierung und neue Assistenzberufe herrscht bei den Pflegeberufen eine große Dynamik. Auch deshalb sind neue und innovative Lösungen in der Personalplanung gefragt. Dies kann nur ein neues, verbindliches, am Patientenbedarf ausgerichtetes Bemessungsinstrument für den Personaleinsatz leisten.“

 

Gemeinsam veranstalteten der Katholische Krankenhausverband Deutschlands, der Deutsche Pflegerat und der Deutsche Caritasverband heute ein Parlamentarisches Frühstück unter dem Titel „Pflege stärken – Verbesserungen, die ankommen“. Aus Sicht von Krankenhausträgern und Pflegebeschäftigten wurde hierbei die aktuelle Praxis vorgestellt. Außerdem wurden die Vorteile einer einheitlichen Pflegebedarfsbemessung aus wissenschaftlicher Perspektive aufgezeigt.

 

Hintergrund:

Der Deutsche Pflegerat ist seit 1998 Dachverband der bedeutendsten Berufsverbände des deutschen Pflege- und Hebammenwesens. Der Verband sieht sich vor allem in der Verantwortung dafür, die Profession Pflege zu vertreten und die erforderlichen Rahmenbedingungen für eine optimale Ausübung der Profession zu schaffen.

 

Der Katholische Krankenhausverband Deutschlands e. V. (kkvd) vertritt bundesweit rund 400 katholische Krankenhäuser mit circa 200.000 Beschäftigten. Jährlich werden mehr als 3,5 Millionen Patienten stationär und rund fünf Millionen Patienten ambulant versorgt. Jeder fünfte Ausbildungsplatz in der Pflege ist an ein katholisches Krankenhaus gebunden.